Hundegeschirr-Typen und deren Anwendungsgebiete

Hundegeschirre wurden einst entwickelt, damit Hunde Lasten ziehen konnten oder um Signalzeichen an den Geschirren zu befestigen. Aber warum entscheiden sich Hundehalter gerade heute immer häufiger für ein Geschirr und weniger für ein Halsband? Welche Möglichkeiten können Hundehalter konkret wählen und was ist das Beste für den Hund? Die umfassende Studie von Julius K9® beantwortet diese Fragen.

 

Halsgeschirr – Sielengeschirr – Kumet

Um zu verstehen, wie es zu der Entwicklung der verschiedenen Hundegeschirr-Typen kam, sollte man zuvor über die Entwicklung von Geschirren insgesamt informiert sein.

Alle Geschirre, die wir heute für Hunde verwenden, haben ihren Ursprung in der Pferde- und Zugtierkultur. Im Vordergrund standen dabei die Geschirre, die für das Ziehen von Kutschen entwickelt wurden.

Das primitive Halsgeschirr wurde bereits vor der Zeitwende von China aus nach Europa gebracht und dort von den Reiterarmeen auf ihren Eroberungsfeldzügen verbreitet.
Dieses würgende Halsgeschirr verringerte jedoch die Kraftausübung der Zugtiere, so dass dieses Problem gelöst werden musste. Darauf hin entwickelte sich das Sielengeschirr, welches vermutlich durch die Expansion der Hunnen in der römischen Kultur und im Karpatenbecken Einzug hielt.

Außerhalb von Europa verbreitete sich in erster Linie das Kumet, ein ovales Schultergeschirr, welches immer individuell für das jeweilige Zugtier gefertigt wurde. Mit dem passenden Kumet konnte ein Pferd z.B. sein gesamtes Körpergewicht ausnutzen. So erwies sich das Kumet zum Ziehen von schweren Lasten effektiver, als das Sielengeschirr.

Horses with harness

Von den Kampfhunden der Antike bis zu den Rettungshunden der Neuzeit

In der Antike fertigte man Hundegeschirre für kräftige und starke Hunde, die in Schlachten als Unterstützer der Kämpfenden dienten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Rüstungsindustrie weiter und die in Schlachten eingesetzten Hunde wurden zunehmend in den Wachdienst versetzt. Im 20. Jahrhundert, in erster Linie während des 1. Weltkrieges, wurden Hunde immer häufiger im Rettungs- und Kurierdienst eingesetzt. Später dann, nach dem Ende des Krieges, entwickelten sich bereits die ersten Geschirre für Blindenhunde. Während des amerikanischen Goldfiebers kamen viele Schlittenhunde zum Einsatz. Überall auf diesen Gebieten war es wichtig die Ausrüstung und Geschirre der Hunde weiter zu entwickeln, sodass auch die Bewegungsfreiheit der Hunde gesichert bleibt.

Verwendungsformen von Geschirren

• Geschirre für die Kampfhunde der Antike
• Geschirre für das Ziehen von Lasten/Schlitten (von der Antike bis heute)
• Geschirre für den Transport von Rettungsausrüstungen (1. Weltkrieg)
• Geschirre für Blindenführhunde (nach dem 1. Weltkrieg)

All diese Hundegeschirre wurden entwickelt, um damit Lasten zu ziehen oder um daran Geräte oder Signalzeichen anzubringen. Da sich im Laufe der Zeit weitere Verwendungsgebiete für Hundegeschirre entwickelt haben, sind folgerichtig auch neue Bedürfnisse entstanden.

Hundegeschirre werden heute vielfach im Freizeitbereich eingesetzt, auf Spaziergängen, als Sichtwesten, bei verletzten Hunden zu Rehabilitationszwecken, als Schwimmwesten, als Senk- und Traggeschirre zu Rettungszwecken oder zum Anbringen von Aufschriften und Hinweiszeichen.

Hundegeschirre können, ähnlich wie die Geschirre von Pferden, aufgrund ihrer Form in zwei Hauptgruppen aufgeteilt werden: Es gibt die sogenannten „Kumet“, die Hals-Schultergeschirre (bei Hunden sind das die späteren Y-Geschirre) und die Brustgurte, die „Breast strap harness“, die Sielengeschirre.

Bei beiden Geschirrarten gibt es mit Sattelteilen versehene, gefütterte, nicht gefütterte, mit breiten oder ganz schmalen Gurten versehene Lösungen. All diese Varianten sind dazu geeignet, Hunde an der Leine zu führen.

Die meisten Hundebesitzer führen ihre Hunde für den täglichen Hundespaziergang ein bis zwei Stunden im Geschirr. Für diesen Zweck gibt es sowohl aus anatomischen Aspekten, als auch aus Aspekten der verwendeten Materialien, zwei voneinander unterschiedlich gestaltete Hundegeschirr-Typen.

Die Tatsache, dass immer mehr Hundehalter Geschirre anstatt Halsbänder verwenden liegt auch daran, dass Tierschützer gegen Ende der 90er Jahre über die Unterschiede von Halsband und Geschirr aufklärten. Die Entlastung des Hundehalses aus gesundheitstechnischen Gründen, war somit der Hauptgrund für viele Hundehalter, ein Geschirr zu benutzen. Überdies sind Geschirre für die Hunde beim Führen an der Leine bequemer, als Halsbänder.

 

Hundegeschirr-Arten

Das, was bei den Pferden das Kumet, also das Schultergeschirr ist, ist bei den Hunden das „Y“-Geschirr: Die bekanntesten Vertreter der Y-Geschirre für Hunde sind die Zuggeschirre für Schlittenhunde, die für das Ziehen von Lasten perfektioniert wurden. Aus diesen Geschirren entwickelten sich dann in der Folge die Hundegeschirre, die heute ihre alltägliche Verwendung finden.

Die Kumet-Geschirre liegen zwischen Hals und Schultergelenken. Die Bänder, die um den Hals liegen, ermöglichen, dass das Zugtier seine Zugkraft auf der gesamten Fläche der Brust und der Wirbelsäule optimal ausnutzen kann. Es ist also kein Zufall, dass man für das Schlittenziehen diese Geschirrart auswählte. Alle Y-Geschirre sind an einem Halsgurt angebracht und haben ein Futter, das unter der Brust parallel zur Wirbelsäule verläuft. Bei der Variante der Y-Geschirre, die zum Schlittenziehen verwendet werden, wird die Zugleine am hinteren Drittel des Hundes befestigt, so dass Zugkraft und Komfort optimal genutzt werden.

Heute werden die die Y-Geschirre neben ihrer Verwendung zum Schlittenziehen, auch für diverse andere Hundezugsportarten und bei den Suchhunden eingesetzt. In den Bauchgurten dieser Geschirre befindet sich entweder fest eingebautes Futter oder Futter, welches nachträglich angebracht werden kann. Gerade bei älteren Hunden kann es hilfreich sein, gut gefütterte Gurte zu verwenden.

Bei täglichen Spaziergängen ist ein abnehmbares Futter auf jeden Fall empfehlenswert, da es waschbar und leicht zu reinigen ist. Breite Gurte dämpfen die Krafteinwirkung und schützen den Körper des Hundes beim Führen an der Leine.

Auf dem heutigen Markt gibt es diverse Y-Geschirre für den alltäglichen Gebrauch. Die Leine wird bei diesen Hundegeschirren im vorderen Drittel angebracht, so dass der Hund leicht zu führen ist. Übergreifend betrachtet gibt es keine Hundetypen, für die die Y-Geschirre nicht vorteilhaft wären.

Bei der Auswahl des passenden Hundegeschirrs ist es wichtig, die anatomischen und gesundheitlichen Gegebenheiten des jeweiligen Hundes zu berücksichtigen. Außerdem ist es wichtig, das Verhalten des Hundes und die Zielsetzung und Fachkenntnis des Besitzers zu kennen. Der gesamtheitliche Eindruck ist entscheidend.

Vorteile des Y-Hundegeschirrs

• vollständige Verwendbarkeit der Muskelkraft des Hundes, der Wirbelsäule und der Brust dank der Gurte, die sich am Treffpunkt der Schultermuskeln und des Halses befinden
• der Hund kann, wie es in der Pferde-Fachliteratur beschrieben ist, sein gesamtes Körpergewicht zum ziehen verwenden
• die Y-Geschirre können mit Sattelteilen kombiniert werden, dies es ermöglichen, am Rücken und an der Seite Signalzeichen oder andere Dinge zu befestigen

Nachteile des Y-Geschirrs

• es kann kompliziert sein, das Geschirr am Hund zu befestigen, aufgrund der vielen Schnallen und Schieber
• wird das Geschirr falsch eingestellt oder die falsche Größe ausgewählt, können die Halsadern und die Atmungsorgane des Hundes belastet werden und Luftröhre, Schlag- und Krampfadern im Kehlbereich des Hundes können zusammengedrückt werden
• außer im Bereich der Blindenhunde, können die Y-Geschirre in jedem Spezialgebiet eingesetzt werden
• ängstliche Hunde können panisch auf das Umlegen der Gurte am Hals reagieren. In solchen Fällen sollte man eine andere Geschirrart nutzen oder einen Hundetrainer in Anspruch nehmen
• die Gurte rund um den Hals, sofern sie nicht mit Futter gepolstert sind, können beim Führen im Rhythmus der Schritte ziehen und zerren
• abnehmbare Brustkissen sind selten, so dass man das Geschirr als Ganzes reinigen muss

Produktempfehlung von Julius-K9®:

Das Mantrailing Outdoor Y-Geschirr (2017) von Julius-K9® ist mit einem gummierten und elastischen Leinenanschlussstück versehen, das z.B. bei einem aktiven Spaziergang oder bei der Arbeit mit Suchhunden, selbst minimale Züge durch eine Ausdehnung von 2 Zentimetern kompensieren kann. Die patentierte Entwicklung ermöglicht somit eine störungsfreie Arbeit des Hundes. Auch die Hand- und Schultergelenke des Hundeführers werden geschont.

Sielengeschirre (Brustblatt, Breast Strap Harness)

Die ältesten archäologischen Funde, die auf Sielengeschirre hindeuten, sind sumerischer-sykthischer Herkunft. Die Fachliteratur geht größtenteils davon aus, zugegeben nur hypothetisch, dass die Sielengeschirre von den Völkern der Steppe entwickelt und verbreitet wurden; besonders den Awaren und Magyaren wird diesbezüglich eine entscheidende Rolle zugeschrieben. Vermutlich gelangten die Sielengeschirre zur Zeit der hunnischen Eroberungen in die Kreise der römischen Kultur, damals natürlich als Geschirre für Pferde und andere Zugtiere.

Während rund um das Karpatenbecken meistens Sielengeschirre verwendet wurden, verbreiteten sich in westlichen Kulturen eher die Kumets, die Schultergeschirre.

Diese Regel galt jedoch nicht allgemein für das Ziehen von Kutschen. Ein Beispiel hierfür ist die Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin. Sie tragen auf ihrem pompösen Marsch ein Sielengeschirr. Die elegant geführten Brustgurte liegen bequem an der Brustmuskulatur der Pferde an und lassen damit den gesamten Halsbereich frei und schränken die Bewegung der Beine nicht ein..

Brandenburg

Im Hinblick auf die Hunde ist das Sielengeschirr das am weitesten verbreitete Hundegeschirr. Die „Norweger“, die „original K9® Powergeschirre“, und die „IDC®“ Geschirrmodelle verfügen in Höhe des Brustbeins über einen Brustgurt, der die beiden Schultergelenke waagerecht miteinander verbindet. Die IDC® Geschirre müssen wegen ihrer speziellen Gestaltung separat behandelt werden.

Auch hier kann man nicht sagen, für welche Hunde diese Art von Geschirr unvorteilhaft sein sollte.

Bei der Auswahl des passenden Hundegeschirrs ist es auch hier wichtig, die anatomischen und gesundheitlichen Gegebenheiten des jeweiligen Hundes zu berücksichtigen. Außerdem ist es wichtig, das Verhalten des Hundes und die Zielsetzung und die Fachkenntnis des Besitzers zu kennen. Der gesamtheitliche Eindruck ist entscheidend.

Fakt ist, dass der Brustgurt der IDC® Geschirre in Richtung des Brustbeins, das heißt nach unten gekrümmt ist, wohingegen es bei den Norweger- und den original K9® -Hundegeschirren oft vorkommt, dass sich der Gurt nach oben in Richtung der Speiseröhre verschiebt und somit den Hund beim Führen unvorteilhaft würgt. Das Tragen der Sielengeschirre sollte bei Hundetypen mit kurzem Hals gleichzeitig mit dem Einsetzen des Brustfutters und des Brustkissens einhergehen.

Bei der alltäglichen Verwendung von Hundegeschirren ist es wichtig, dass die Halsadern und die Atmungsorgane geschützt werden. Dazu sind die Kissen gedacht, die zum nachträglichen unterfüttern des Brustgurtes vorgesehen sind. Der Brustgurt, der am Brustbein anliegt, ist im Falle der Powergeschirre starr gestaltet und bildet somit eine Art Reifen vor der Brust. Deshalb berühren die Schultergelenke einiger Hunde beim Spazierengehen oder Traben den Brustgurt überhaupt nicht. Wenn Hunde z.B. springen oder sie ihre Vorderläufe anheben, kann der Brustgurt leicht in Richtung Hals rutschen.

Der breite Brustgurt bewegt sich zusammen mit den Vorderläufen und wenn es die Situation hergibt, dann rutscht er auch oberhalb des Brustbeines.

Bei der Auswahl des passenden Hundegeschirrs, sollte der Hundebesitzer in erster Linie auf die Größenangaben des Herstellers und dessen Anleitung zur korrekten Passung achten. Besonders beachten sollte man, ob die breite Ausführung des Brustgurtes den Hund beim Nachvornebeugen oder beim Schnüffeln stört.

Wenn ja, dann ist das gekrümmte IDC® Hundegeschirr die ideale Lösung für dieses Problem. Auf keinen Fall sollte ein zu großes Geschirr ausgewählt werden, auch dann nicht, wenn sich der Hund in der Wachstumsphase befindet und theoretisch „hineinwachsen“ könnte. Es besteht immer das Risiko, dass der Brustgurt auf die Vorderläufe des Hundes rutscht oder der Hund überspringt ihn in Folge von falscher, zu lockerer Einstellung des Geschirrs.

Sielengeschirre sind einfach am Hund anzubringen. Allerdings gibt es unter den Hunden große Befreiungskünstler, die sich bei falscher Handhabung, leicht aus dem Geschirr befreien können. Deshalb ist es besonders wichtig, die auf der Gebrauchsanweisung eines Geschirrs vermerkten Ratschläge zur Benutzung der Leine und des Geschirrs zu beachten.

Sielengeschirre gibt es mit und ohne Sattelteil. Das Sattelteil soll verhindern, dass der Hund durch den Karabinerhaken der Leine auf seinem Rücken irritiert wird.

Vorteile von Sielengeschirren

• leicht anzubringen und einfach einzustellen
• große Bewegungsfreiheit
• sie sind mit oder ohne Sattelteil verfügbar
• die K9® Geschirre mit Sattelteil werden in Europa hergestellt und mit europäischen Materialien gefertigt
• die Geschirre werden durch Belastungstests geprüft
• die Positionierung des Sattelteils kann mit dem Klettverschluss des Brustgurts verstellt werden
• nachträglich können Brustkissen und Gurte in Y-Form am Brustgurt angebracht werden
• es können Aufschriften mit Klettverschluss angebracht werden

Nachteile von Sielengeschirren

• wenn keine Brustkissen angebracht sind, kann der Brustgurt leicht am Hals hochrutschen
• die Vorderläufe werden bei allen Zugsportarten starker belastet
• ist das Geschirr zu locker eingestellt, kann der Hund es sich über den Kopf ziehen
• aufgrund falscher Einstellungen und/oder Größenauswahl können die Ellenbogen des Hundes mit der Schnalle in Berührung kommen
• eingeschränkte Möglichkeit zum Anbringen einer Beleuchtung
• das Sattelteil kann für kleine Hunde (1-5 kg) anfangs zu starr sein
• die Geschirre können bei speziellen Körperformen nicht für Zughundesportarten genutzt werden

IDC® Hundegeschirre als Kombination der Y- und Sielengeschirre

Die IDC® Hundegeschirre gibt es mit Sattelteil oder nur aus Gurten bestehend. Es sind die ersten und vielleicht auch die einzigen Geschirre weltweit, bei denen die Linienführung des Brustgurtes aufgrund von physischen und trigonometrischen Berechnungen gestaltet wurde (2010). Dies ist sicher ein Grund, für den weltweiten Erfolg der IDCHundegeschirre.

Das Ziel bei der Entwicklung des Geschirrs war, dass der Brustgurt beim Führen an der Leine, in die Richtung der zu erwartenden Krafteinflüsse an der Brust des Hundes anliegt und die Belastung des Halses durch die Linienführung des Brustgurtes vermieden werden kann. Die physischen Berechnungen und praktischen Tests haben gezeigt, dass man für jede Hundegeschirrgröße unterschiedliche Brustgurteinstellungen benötigt. Sie wurden bei Lastenzug- und Geschwindigkeitsrennen erfolgreich getestet und verwendet.

Vorteile der IDC® Hundegeschirre

• es gibt sie als Version mit Sattelteil oder auch nur mit Gurten versehen
• die Schnalle des Gurtes unterhalb der Brust verschiebt sich hinter die Wirbelsäulenlinie und irritiert den Ellenbogen des Hundes auch bei falscher Einstellung des Geschirrs nicht
• die Halslinie ist vom Brustgurt her vollkommen freigelassen
• ähnlich wie bei den Y Geschirren, wird der Hals vom Rücken des Hundes her vom Rand des Sattelteils umgeben
• der breite Brustgurt ist formhaltend, starr und auf dem Brustbein anliegend, so rutscht oder fällt er nicht auf die Beine, sichert maximale Bewegungsfreiheit
• die Geschirre werden in Europa hergestellt, werden dort getestet und aus kontrollierten Teilen hergestellt
• mehrere Möglichkeiten um Beleuchtung, Seitenaufschriften und Zubehör anzubringen

Nachteile der IDC® Hundegeschirre

• aufgrund von falscher Größenwahl kann der Brustgurt auf die Vorderläufe rutschen
• das Kissenteil unterhalb der Brust muss zusätzlich angebracht werden
• bei Hunden, die unter 10 kg wiegen, gibt es keine oder eingeschränkte Möglichkeiten zur Anbringung von Beleuchtungen
• bei Hunden zwischen 1-5 kg ist die starrere Gestaltung des Brustgurtes zuerst ungewöhnlich

IDC® Geschirre in der Seitenansicht

 Optimale Position des Brustgurtes bei Welpen

 

Für den Hund im Wachstum darf nicht das proportional größere Geschirr gewählt werden

Der Brustgurt fällt, ähnlich wie bei den Y-Geschirren, bereits etwas an die Halslinie

Hundegeschirre mit Sattelteil (Sielen- und Y-Geschirre)

Unabhängig von der Gestaltung des Brustgurtes und der Größe, gibt es für jede Geschirrart Produkte, die zusätzlich mit einem Sattelteil versehen sind. Das Sattelteil beeinflusst die Kraftverteilung nicht wesentlich und funktioniert auch nicht als Futter.

Das Sattelteil liegt wie eine Decke auf der Rückenlinie des Hundes und hängt herunter bis zur Seite des Hundes. Es bietet die Möglichkeit zum Anbringen von technischen Geräten (Beleuchtung, Tasche, Kamera, Aufschrift, usw.), ohne dass diese mit dem Körper des Hundes in Berührung kommen oder sie den Hund bei der Bewegung stören würden. Bei den IDC® Geschirren entspricht die Halslinienführung des Sattelteils den Halsgurten der Y- Geschirre und nimmt an der Ableitung der Kräfte, die beim Führen an der Leine entstehen, teil.

Das Sattelteil ermöglicht, dass Farben und Sichtbarkeitselemente am Hund aussagekräftig dargestellt werden können. Das Material des Sattelteils ist von außen wasserabweisend, derweil ist die Innenseite, die am Hund ist, bestenfalls aus Baumwolle oder anderen hautfreundlichen Materialien gestaltet. Diese Geschirre werden gerne in Tierheimen genutzt und können dort besonders unsichere Hunde in ihrer Selbstsicherheit bestätigen.

Welche Geschirrart passt zu welchem Hund mit welchem Körperbau?

Die genaue Bestimmung der Größe eines Hundegeschirrs und dessen richtige Einstellung, kann lebensrettend sein. Ist Ihr Hund ein Befreiungskünstler, ist er in seiner Bewegung eingeschränkt oder möchten Sie ihm einfach nur das größtmögliche Komfortgefühl beim Spaziergang bieten? Dann sollten Sie diesen Artikel lesen.

Von den Herstellern von Hundegeschirren kann man erwarten, dass diese die korrekte Einstellung und Anbringung der Geschirre am Hund mit Abbildungen und Erklärungen untermauern und idealerweise deren Aussehen und Funktion mithilfe von Genrebildern darstellen. Leider informieren viele Hersteller nur selten über die verwendeten Materialen oder über die Belastbarkeit ihrer Geschirre.

Bei der Auswahl der richtigen Größe des Hundegeschirrs ist es ratsam, die Brustmaße und Angaben zum Gewicht des Hundes gleichermaßen zu berücksichtigen. Die richtige Größe des Hundegeschirrs und dessen korrekte Einstellung kann lebensrettend sein, deshalb legen viele Hersteller großen Wert auf eine ausführliche Erklärung zur Nutzung des Geschirrs.

Auf keinen Fall sollten Sie ein zu großes Geschirr für Ihren Hund wählen, nur weil sich Ihr Hund noch in der Wachstumsphase befindet und dort „hineinwachsen“ könnte. Es besteht das Risiko, dass der Brustgurt auf die Vorderläufe des Hundes rutscht oder der Hund überspringt ihn infolge falscher und/oder zu lockerer Einstellung des Geschirrs.

Vierbeinige Befreiungskünstler

Es gibt kein Hundegeschirr, aus dem sich nicht schon der ein oder andere Hund befreit hat. Die Ursache ist meist eine zu bequeme Gurteinstellung, gekoppelt mit einer ungünstigen Handhabung der Leine.

Das Ziel muss also sein, dass Hundebesitzer für ihren Hund ein möglichst geeignetes und gut sitzendes Geschirr kaufen, welches sich leicht verstellen und an- und ausziehen lässt. Als Hundebesitzer sollten Sie genau wissen, wie sich Ihr Hund, beispielsweise in Gefahrensituationen, theoretisch aus dem Geschirr befreien kann. Die meisten Hersteller geben diesbezüglich in der Regel die entsprechenden Informationen. Bei den Sielengeschirren ist es ratsam, sie im Nachhinein mit Brustkissen zu versehen. Vorteil des nachträglichen Anbringens ist, dass der Hund seine Läufe nicht durchstrecken oder heben muss. Das Brustkissen selbst ist leicht zu öffnen und zu schließen (Y-Gurt, IDC® Brustkissen). Bei sehr ängstlichen oder unsicheren Hunden empfiehlt sich die gleichzeitige Nutzung eines Geschirrs in Kombination mit einem Halsband und die Befestigung von zwei Leinen.

Das „sich befreien“ der Hunde soll der sogenannte „I“-Gurt verhindern. Dieser verbindet die Gurte des Sielengeschirrs unter der Brust und vor der Brust miteinander und wird am Halsband befestigt. Sofern der Brustgurt und der Gurt des Sielengeschirrs nicht mit einem anderen Gurt oder einem Kissen verbunden sind, können sich die Hunde leichter daraus befreien, als aus den Y-Geschirren.

Geschirre für Hunde mit speziellem Körperbau

Während es bei Hunden mit langem Rücken, z.B. den dackelartigen, lohnenswert ist, die Geschirrart so zu wählen oder den Brustgurt so einzustellen, dass der leinenführende Ring im mittleren Drittel des Körpers ist, ist es bei Hunden mit eher kurzem Rücken und großem Brustumfang, z.B. bei Möpsen („nasenschwer“), wichtig, dass die Leine im ersten Drittel des Körpers befestigt wird.

Die Breite der Gurte, die vor und unter dem Brustkorb durchlaufen, ist aus Sicht der Druckbelastung entscheidend. Denn ein dünner Gurt bedeutet für den Körper des Hundes eine größere Belastung (dünne Gurte schneiden z.B. häufig in die Haut ein).

Die Erfahrungen der letzten 20 Jahre zeigen, dass es für einen Hund, der mehr als 18 kg wiegt ratsam ist, einen Gurt zu verwenden, der ca. 40 bis 50 mm breit ist. Auch bei Hunden, die nur einige Kilogramm wiegen, sollte man an den Geschirren keine Gurte verwenden, die dünner als 14 mm sind. Der breite Brustgurt offenbart wichtige Vorteile hinsichtlich der Lastenverteilung. Wird allerdings eine unpassende Geschirrgröße gewählt, kann der Brustgurt bei einem Sielengeschirr, wenn er unter das Brustbein gelangt, auf die Läufe des Hundes rutschen. Wurde der Brustgurt eines Hundegeschirrs aus einem eher lockeren Material gefertigt, kann er ebenfalls leicht auf die Läufe rutschen und so ermöglichen, dass der Hund sich befreien kann. Schnürt der Brustgurt des Geschirrs Ihrem Hund die Kehle zu oder behindert er ihn generell bei der Atmung, sollten Sie unbedingt die Größenauswahl überprüfen.

Die Verwendung von separat waschbaren Brustkissen, die man nachträglich an den Brustgurten anbringen kann, ist auch deshalb vorteilhaft, weil man sie in verschiedenen Größen an das Geschirr anpassen kann.

Die Größe des Brustkissens ist bei einem aktiven Spaziergang entscheidend: Wenn das Futter zu breit ist, kann es die Achsel des Hundes verletzen. Ein Brustkissen beispielsweise, dass einer Englischen Bulldogge passt, wird einem Vizsla vermutlich zu groß sein.

Die Frage ist, ob man für eine durchschnittliche Bewegung ein Brustkissen benötigt, das die Brust vollständig abdeckt? Die Antwort lautet: Nein.

Brustkissen in Übergröße bedeuten für einen Hund immer ein Mehrgewicht und eine sich träge bewegende Last. Werden die Brustkissen nass, verschärft sich die Lage noch. Die Kissen, die den Gurt unterhalb der Brust in Richtung Wirbelsäule polstern sind nützlich, wenn man den Hund z.B. ins Auto heben möchte. Möchte der Hund allerdings rennen und toben, sind sie ein wahrer Schlammsammler.

Bei älteren Hunden oder bei Hunden, die in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sind, ist das Vorhandensein der Brustkissen und eines Griffteils beim Heben bzw. Anheben des Hundes eine nützliche und sinnvolle Sache. Bei gestressten Hunden ist es ratsam Sielengeschirre zu verwenden, in die der Hund nur hineinschlüpfen muss und die man dem Hund mit einer Handbewegung überziehen kann. Vermeiden sollte man bei solchen Hunden z.B. die Y-Geschirre, bei denen der Hund die Läufe anheben und quasi „hineinsteigen“ muss und die außerdem mehrfach verschnallt werden müssen.

Allgemein kann man sagen, dass die Auswahl des Hundegeschirrs unbedingt an den Körperbau des jeweiligen Hundes angepasst werden sollte. Besonders beachten sollte man die Breite und die Gestaltung der Brustkissen. Diese stellen nämlich die Schlüsselfrage dar, wenn es um den Tragekomfort für den Hund geht.

chest pad

Die Qualität der Hundegeschirre und deren korrekte Benutzung

Worauf müssen Sie als Hundehalter achten, wenn Sie beabsichtigen ein Geschirr zu kaufen? Wenn Sie bereits ein Geschirr gekauft haben, verraten wir Ihnen, wie Sie es im Alltag verwenden sollten, egal ob beim Spaziergang oder während der Fahrt im Auto. Mit unseren praktischen Ratschlägen können Sie Unannehmlichkeiten und Unfälle vermeiden.

 

Untersuchung der verwendeten Materialien

Aufgrund der heute so wichtigen Rolle des Hundes in der Familie, sollte man von den Herstellern erwarten können, dass diese Materialien verwenden, die ebenfalls für die menschliche Verwendung gedacht sind. Bei Materialen, die in die Europäische Union eingeführt werden, muss in einer sogenannten Richtlinienerklärung erläutert werden, dass sie keine verbotenen Substanzen und Zusätze enthalten. Dies gilt auch für Materialien, die für Gurte und Futter verwendet werden, also mit dem Körper des Hundes in Berührung kommen. Denn schädliche Stoffe können, wenn sie mit der Haut in Berührung kommen, in diese eindringen.

Die Materialien, die z.B. ein „Oeko-tex“ Prädikat bekommen, schließen von Anfang an die Möglichkeit aus, dass das Hundegeschirr aufgrund seiner Materialien einen schädlichen Einfluss hat.

OEKO-TEXDie Geschirre und Schnallen, die zum Teil aus mehrfach recycelten Kunststoff hergestellt und aus fernöstlichen Quellen eingeführt werden, verfügen in vielen Fällen nicht über eine Bescheinigung, die das Vorhandensein von schädlichen Materialien ausschließt.

Die Geschirre und Schnallen, die aus Industriemüll hergestellt werden, bergen nicht nur wegen der vorhandenen Giftstoffe ein Nutzungsrisiko, sondern zusätzlich wegen ihrer geringen Belastbarkeit. Bei gefälschten Produkten ist es üblich, dass selbst die Bescheinigungen die dem Produkt beigefügt werden, gefälscht sind. Hinsichtlich der Schnallen und Verschlüssen verfügen die in Europa hergestellten Produkte meist ausnahmslos über alle notwendigen Bescheinigungen. Die Qualität der Materialien beeinflusst die Belastbarkeit der Schnallen erheblich.

 

Nachteile und Schäden, die aus zu langem Tragen und den falschen Einstellungen resultieren

Für alle Geschirrarten gilt es, dass man bei aktiver Bewegung des Hundes über mehrere Stunden pro Tag kontrollieren muss, ob am Fell, an den Achseln, am Unterbauch oder am Hals des Hundes Abschürfungen zu sehen sind.

Ist das der Fall, muss kontrolliert werden, ob das Hundegeschirr den Vorschriften entsprechend eingestellt ist.

Die Hundegeschirre müssen dem Hund nach dem täglichen Spaziergang, spätestens aber für die Nachtruhe, ausgezogen werden. Bei Hunden mit kurzem Fell können die gelöcherten, netzartigen Futterstoffe das Fell des Hundes eher herausreißen, als ein glatter Stoff aus Baumwolle. Außerdem kann das Geschirr so auch besser gereinigt werden. Die Brustkissen, die voll mit Schlamm sind, sollten, sofern sie abnehmbar sind, häufiger gewaschen werden, als die restlichen Teile des Geschirrs. Die Maschinenwäsche und das maschinelle Trocknen sollten bei dem überwiegenden Teil der Geschirre vermieden werden, um den optimalen Zustand der Geschirre zu erhalten.

 

Belastbarkeit der Hundegeschirre & Belastungstests

Viele Hundebesitzer treffen heute ganz bewusst eine Kaufentscheidung für ein Hundegeschirr und informieren sich vor dem Kauf, ob für das ausgewählte Geschirr auch Belastungstests durchgeführt wurden. Sicher ist ein Hundegeschirr, wenn es, Verarbeitung der Nähte und Verschlüsse inbegriffen, das dreifache Gewicht des Hundes halten kann.

 

Befestigung des Hundegeschirrs im Auto

Hunde sind begeisterte Läufer und Bewegungsfanatiker. Mit Vorliebe klettern und turnen sie auch gerne im Auto herum, springen z.B. vom Rücksitz auf die Vordersitze und können eine Autofahrt so nicht nur beschwerlich, sondern auch sehr gefährlich werden lassen.

Die Befestigung des Hundes am hinteren Sitz des Autos kann mit einem Hundegeschirr und dessen Zubehör sichergestellt werden. Dazu werden Teile des Zubehörs in den Sicherheitsgurt des Autos eingefädelt oder in das Gurtschloss eingesteckt.

Nach den Gesetzen der Physik ist bei einem Frontalzusammenstoß eines Autos, das mit nur 50 km/h unterwegs ist, das Gewicht eines Hundes von 20 kg, welches in die fixierenden Gurte gepresst wird, mehr als das zehnfache schwer.

Wer für seinen Hund die Lösung mit der höchsten Sicherheit auch bei eventuellen Zusammenstößen gewährleisten möchte, der sollte sich eine stabil befestigte Transportbox besorgen.

 

Transport im Auto