{"id":76715,"date":"2020-07-30T07:31:01","date_gmt":"2020-07-30T07:31:01","guid":{"rendered":"https:\/\/julius-k9.com\/?p=76715"},"modified":"2024-02-07T10:28:14","modified_gmt":"2024-02-07T10:28:14","slug":"zusammenfassung-der-jenaer-studie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/julius-k9.com\/de\/zusammenfassung-der-jenaer-studie\/","title":{"rendered":"Zusammenfassung der \u201eJenaer Studie\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Martin S. Fischer, Professor f\u00fcr Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universit\u00e4t Jena und sein Team legten 2011 Ihre Studie zur Fortbewegung von Hunden vor.\u00a0 Die \u201eJenaer Studie \u201c dauerte\u00a0 4 Jahre an und ist die bisher umfassendste Forschungsarbeit \u00fcber die Gelenkwinkelverl\u00e4ufe, Segmentbewegungen, Gangmuster, Schrittl\u00e4nge, Schrittdauer, etc. des Hundes weltweit. Die \u201eJenaer Studie\u201c zum Gangapparat des Hundes ist\u00a0 repr\u00e4sentativ und vergleichend und nutzte erstmalig verschiedene Kombinationen von Bildgebungsapparaten, die zu spektakul\u00e4ren neuen Erkenntnissen f\u00fchrten. An der Studie nahmen insgesamt 327 Hunde aus 32 Hunderassen teil, die sich in K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe, Winkelung der Gelenke und Rahmen extrem unterschieden.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler benutzten f\u00fcr ihre Studie drei Messsysteme, ein Infrarotbewegungsmesssystem, zwei Hochgeschwindigkeitsvideokameras und eine franz\u00f6sische Hochgeschwindigkeitsr\u00f6ntgenkamera.\u00a0 (Mittels biplanaren Hochgeschwindigkeitsr\u00f6ntgenanlagen wird die Strahlendosis reduziert und eine k\u00fcrzere Behandlungszeit erreicht!) Die Hunde wurden von je zwei Hochgeschwindigkeitskameras aus unterschiedlichen Positionen (von vorne und von der Seite) in unterschiedlichen Gangarten (Schritt, Trab, Galopp), auf einem genormten Laufband aufgenommen. W\u00e4hrend der Untersuchungen legten sie ca. 2-4 Kilometer in ca. 45 Minuten Aufnahmezeit zur\u00fcck. Das Infrarotbewegungssystem nutzte reflektierende Marker an den R\u00fcckenlinien und Gelenkpunkten des Hundes, welche die von insgesamt sechs Kameras ausgesendeten Infrarotblitze zur\u00fcck warfen. Wurden die Reflektionen eines Markers von jeweils zwei Kameras erfasst, war es m\u00f6glich, ein dreidimensionales (3D) Koordinatenbild zu erstellen und die jeweiligen Gelenkwinkel des Hundes konnten bestimmt werden. Anhand einer Kombination der biplanaren R\u00f6ntgen Fluoroskopie und einer Infrarot Bewegungsanalyse mit externen Markern konnte erstmals eine dreidimensionale kinematische Analyse gemacht und die erfassten Strukturen wie z.B. das Schulterblatt des Hundes in der Bewegung sichtbar gemacht werden.<\/p>\n<p>Die Aufnahmen zeigten, dass veraltete Darstellungen des Hundeskeletts nicht den Tatsachen entsprechen! Anders als bisher angenommen, haben sich die Gliedma\u00dfen des Hundes, wie bei allen S\u00e4ugetieren, von zwei zu drei Segmenten ver\u00e4ndert. Bei den Vorderl\u00e4ufen des Hundes ist\u00a0 das Schulterblatt als drittes Segment hinzugekommen, w\u00e4hrend bei den Hinterl\u00e4ufen der Mittelfu\u00df \u201eumgebaut\u201c ist. Bewegt sich ein Hund vorw\u00e4rts, so entsprechen sich daher jeweils Schulterblatt und Oberschenkel,\u00a0 Oberarm und Unterschenkel sowie Unterarm und Mittelfu\u00df in der Bewegung.<\/p>\n<p>Die Studie der Biologen der Uni Jena widerlegte viele bisherige Ansichten und stellte deutlich dar, dass das neu entstandene Bild\u00a0 vieler Diagnosen des Gangwerks des Hundes, spektakul\u00e4re neue Erkenntnisse hervorbrachte! So wies man nach, dass der eigentliche Drehpunkt der Vorderl\u00e4ufe das Schulterblatt ist und nicht, wie bislang immer vermutet, das Schultergelenk. Das hei\u00dft, dass sich das Schulterblatt bei der Vorw\u00e4rtsbewegung des Vorderlaufs um etwa 35 Grad dreht! Das Schultergelenk bleibt unter der Bewegung statisch. Dies \u00e4nderte nun auch den Blick auf die Beziehung der oberen Drehpunkte des Bewegungsapparates. Entgegen der bisherigen Annahmen, liegt das H\u00fcftgelenk in der Realit\u00e4t auf H\u00f6he des oberen Randes des Schultergelenks. Durch die R\u00f6ntgenaufnahmen konnte man sehen, dass sich Schulterblatt\/Unterarm und Oberschenkel\/Mittelfu\u00df wie parallel geschaltet bewegen. Dieses Prinzip nennt sich \u201ePantographenbein\u201c. Dieses Fortbewegungsprinzip h\u00e4ngt ma\u00dfgeblich von der L\u00e4nge des mittleren Segments des Bewegungsaparates ab. Beim Hund ist dies der Oberarm.<\/p>\n<p>Der Oberarm eines Hundes ist, je nach individueller Gr\u00f6\u00dfe, nat\u00fcrlich unterschiedlich lang. Wobei in Bezug zur gesamten L\u00e4nge des Vorderbeins die Oberarml\u00e4nge, laut \u201e Jenaer Studie\u201c, ganz genau 27 Prozent betr\u00e4gt. <strong>\u00a0<\/strong>Die L\u00e4nge des Schulterblattes misst im Vergleich zur Gesamtl\u00e4nge des Vorderbeins zwischen 24 bis 34 Prozent und ist bei kurzbeinigen Hunden im Gegensatz zu langbeinigen Hunden relativ lang. Die Fortbewegung des Hundes h\u00e4ngt haupts\u00e4chlich von den Proportionen des Oberarms ab. Da diese bei allen untersuchten Hunden identisch waren, liegt die Folgerung nahe, dass alle Hunde, egal wie gro\u00df, \u00e4hnlich gehen.<\/p>\n<p>Die Jenaer Studie gibt in keiner Weise Anhaltspunkte zu Konstruktionen von Hundegeschirren und bewertet die auch nicht, da w\u00e4hrend der Studie gar keine Hundegeschirre zum Einsatz kamen! Die Hunde liefen w\u00e4hrend der Studie, wenn \u00fcberhaupt, immer nur mit Halsband. Die Jenaer Studie hat sich nur mit den Laufbildern der Hunde und deren Bewegungsabl\u00e4ufen befasst und geht nicht auf die Muskelfunktionen ( der Brust und des Halses ) der Hunde ein und auch nicht darauf, dass Gurte und Hundegeschirre bei der Fixierung signifikant an der Haut und Fell scheuern oder diese sogar einklemmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Videos:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oxOASLXH1oY\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hunde in Bewegung \u2013 Laufband normal und vor Hochgeschwindigkeitsr\u00f6ntgenapparat<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=70ntoNYNjr4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hunde in Bewegung \u2013 Skelett und Muskulatur\u00a0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rAvOPCp6Itk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">DOGS IN MOTION, Prof. Dr. Martin S. Fischer, KYON Symposium 2017<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Martin S. 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